Norderney – eine königliche Insel

Über 200 Jahre alt, vereinigt das traditionsreiche Niedersächsische Staatsbad Norderney, das älteste Deutschlands, alten Glanz, modernen Komfort, Umwelt-und Gesundheitsbewusstsein.

„Taxen der Königl. Seebadeanstalt auf Norderney für Portechaisenträger 1. nach dem Strande hin und her 15 Sgr., 2. innerhalb des Orts 10 Sgr., in letzterem Falle nach 10 Uhr Abends 2 1/2 Sgr. mehr. Reitesel nach dem Damen- oder Herren-Badestrande 3 Sgr.“. So steht es in der „Norderneyer Badeleitung“ von 1868 unter dem Titel „Winke für Badegäste“. „Für ein Bad in einer mit einem Pferde bespannten Badekutsche“ verlangte man 10 Silbergroschen. Man lese und staune: Schon vor über 100 Jahren hat die Nordseeinsel allen erdenklichen Service geboten, natürlich gegen angemessene Bezahlung.

Norderney (1)

Eine grüne Insel mit breitem, hellem Sandstrand, so zeigt sich Norderney vom Flugzeug aus.

Doch, man lese und staune, was man über Norderneys Badesitten noch erfahren kann: „Männer und Frauen wurden getrennt voneinander mit Badekarren zu zwei verschiedenen Strandabschnitten gefahren. Dort nahmen sie liegend oder kniend ein Bad im Meer. Noch immer existiert der Herrenpfad und der Damenpfad. Der Physikus Friedrich-Wilhelm von Halem beschrieb den angemessenen Abstand zwischen Damen- und Herrenbad:   Am Strande der Badegegend sind in gehöriger Entfernung zwei Stangen aufgerichtet, in deren Zwischenräumen sich niemand baden darf und woselbst die Buden für die Badekutschen stehen. Außer der Linie derselben nach Süden hin baden sich die Frauenzimmer, und der nach Norden die Mannspersonen. Diese Einrichtung ist des Abstands wegen erforderlich und wird jeder honette Badegast sich Beobachtung derselben zu bescheiden wissen

Der Damenpfad – unglaublich, welche Prüderei!

Als das Seebad am 1. Mai 1800 offiziell eröffnet wurde und die Einwohner der ostfriesischen Insel 70 Zimmer für je dreieinhalb Taler in der Woche vermieteten, zählte man 250 Kurgäste. Bald zum Modebad für die begüterte Klasse avanciert, übersteigen die Fremden die Einheimischen. Und seit das Königshaus von Hannover unter dem späteren Georg V. 1836 Norderney als Sommerresidenz erkor, wurde fleißig gebaut: „zur Unterbringung fürstlicher Personen in passender Weise“, etwa das „Große Logierhaus“.
Einen Hauch dieser Epoche strahlt das Nordseeheilbad auch heute aus: Prachtbauten an der ausgedehnten Strandpromenade und hinter dem grünen Seedeich, Kurhaus und Spielkasino, hübsche schmale Klinker-Straßen, breite lange Sandstrände mit

Norderney Postamt

Erinnert an alte Zeiten

FKK-Abschnitten und Strandsauna, bis zu 25 Meter hohe Dünen, gepflegte Parkanlagen, Golf- und Flugplatz, exquisite Restaurants und Boutiquen und – wahrlich königliche Hotels. Seit 2005 gibt es das sogenannte „bade:haus“ – das größte Thalasso-Zentrum Deutschlands. Nah an Wasser und Strand gebaut, fernab aller Hektik und umgeben von Dünen und Salzwiesen, bietet es vielfältige Thalasso-Therapien an. Meerwasser, Schlick, Algen, Sand oder Muschelkalk – die Zutatenliste für medizinische oder kosmetische Gesundheits- und Wellness-Angebote ist lang. Nicht ohne Grund wurde die Ostfriesische Insel für den „Sonderpreis Gesundheitstourismus des Deutschen Tourismuspreises 2010“ nominiert.

Wer das 80 Kilometer lange Rad- und Wandernetz nutzen möchte, sollte wissen, was 1875 ein Zeitgenosse vermessen hat: „Die Insel ist eine und eine dreiviertel Stunde lang, eine Viertel Stunde breit und kann in vier Stunden umgangen werden.“

Während die Gästezahlen in ganz Niedersachsen rückläufig sind, konnte Norderney Zuwächse verzeichnen. So sehen sich jedes Jahr die 6.500 Einwohner etwa 300.000 Kur- und Badegästen gegenüber, die rund drei Millionen Übernachtungen buchen. Basis der ganzjährigen Kur ist das Meeresklima mit Staub- und Keimfreiheit der Seeluft, das sich bei Erkrankungen der Atmungsorgane bis zur Mukoviszidose bewährt hat, aber auch bei Hautkrankheiten. Weitere Indikationen: Infektanfälligkeit, Erschöpfung, Praesklerose und Aufbrauchleiden von Wirbelsäule und Gelenken.
Schon 1872 fanden sich die ersten Strandkörbe am Meeressaum, und bereits 1931 entstand ein Seewasser-Hallenbad, das erste seiner Art auf dem europäischen Kontinent. 1990 ist daraus für 30 Millionen Mark ein modernes Erlebnisbad geworden: „Die Welle“. Überhaupt leistete das Niedersächsische Staatsbad Pionierarbeit: 1887 erhielt die Insel Fernsprechanschluss, 1888 ganzjährige Schiffsverbindung mit Norden-Norddeich. 1889 wurden Wasserleitung und Kanalisation eingeführt. Gas- und Stromversorgung folgten. Das erste vollbiologische Klärwerk an der Nordseeküste wurde 1971 auf Norderney fertiggestellt, und der Müll wird seit 1979 auf dem Festland entsorgt. Also alles perfekt auf der Insel, die sich „Königin der Nordsee“ rühmt?
Es gab einen, der die „blutarmen“ Fischer und Seefahrer der Insel bespöttelte. Im Jahre 1826 meinte Heinrich Heine, dass „die Eingeborenen einen Tee trinken, der sich von gekochtem Seewasser nur durch den Namen unterscheidet, und eine Sprache schwatzen, wovon kaum begreiflich scheint, wie es ihnen selber möglich ist, sie zu verstehen“.

 

Insel Norderney

Norderney, Deutschland

 

Infos:
info@norderney.de
www.norderney.de
Staatsbad Norderney, 26535 Norderney, Tel. 04932/8910,

Fotos:
Elke Backert

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